Der Bücherwurm von Untendrunter
Mein derzeitiger Alltag dreht sich zum größten Teil um zwei Dinge.
Zuerst Surfen. Nach dem Aufstehen (meistens so zwischen 7 und 8 Uhr!) wird erst einmal der Surf gecheckt. Das heißt, der Wachste schnappt sich ein Fahrrad, fährt die diversen Strände ab und entscheidet, wo die Wellen am Besten brechen. Dann geht’s los ins Wasser. Nach dem Surf wird gefrühstückt. Es ist jetzt so gegen 10 Uhr. Je nachdem, wie gut die Surfbedingungen sind, wird sich ausgeruht (und sich der zweiten Priorität zugewandt). Nach der Verdauungspause wieder die Bretter unter den Arm geschnappt und los zum zweiten Surf. Und so weiter und sofort.
Die Surfpausen werden zum Lesen genutzt. Frühs: Lesen. Mittags: Lesen. Nachmittags: Lesen. Abends?: Genau, Lesen. Als ob sich hier ein Lesevirus eingenistet hätte. Die Bücher werden verschlungen, wie das täglich Brot. In jeder Ecke des Hauses liegt eine Lektüre. Zeitschrift, Zeitung, Buch. Einfach alles, was man so drucken kann. Wir lesen hier sogar die Anzeigen in der Zeitung, rätseln über die Inhaltsstoffe im Essen und lernen die Gezeiten auswendig. Manchmal komme ich mir vor wie in der Bib. Todesstille, hier und da ein paar Seelen, die sich hinter riesen Schinken verstecken. Ein kleines Schmunzeln kann ich mir da kaum verkneifen. Und – es macht einen heiden Spass. Nach sieben Wochen bin ich nun bei Buch Nr. 5 angelangt. All denjenigen, die diese Lesegeschwindigkeit als normal ansehen, möchte ich an dieser Stelle für ihr Leserleben gratulieren und mitteilen, dass sie sich ihre Kommentare zu meiner bisherigen leserlichen Leistung sonst wohin stecken können. Ich bin stolz auf mich! Es wurde von mir übrigens noch kein Buch gekauft. Wie gesagt, an Lesematerial mangelt es hier nicht. Das aktuelle Buch wandert überall mit. In den Regenwald, in die Metropole, mit aufs Klo. Da dieses zum Beruf gewordene Hobby auch Euch begeistern soll, gibt’s oben im Reiter eine Rubrik Reiseliteratur mit allen bislang gelesenen Drucksachen inkl. kleiner Inhaltsangabe, die natürlich in keinster Weise den Kriterien des Deutschunterrichts entspricht. Da ich ja selbst klickfaul bin und von Euch nichts anderes erwarte, gibt es meine Top 4 gleich hier:
Nr. 1: Der Medicus von Saragossa von Noah Gordon

Eine Sache vorweg: Wer den Medicus gelesen hat, wird sich langweilen und sich ständig fragen, ob das hier nicht doch das gleiche Buch ist. Die beiden Bücher ähneln sich so stark, dass ich sie gar nicht mehr auseinander halten kann. Dafür gibt’s auf jeden Fall schon mal ne glatte sechs! Kurze Storyline: Ein in der Kindheit übelst gebeutelter Bursche nimmt sein Leben in die eigene Hand und kämpft sich durch die ungerechte Welt des knallharten spanischen Mittelalters. Nach unendlich vielen bereisten Kilometern und mal guten, mal beschissenen Nebenjobs auf dem Bau, im Feld und schließlich in der Schmiede schleudert der Zufall den Jungen in die Hände des angesagten Medicus (neudeutsch Arzt) von Saragossa. Und der Rest ist Geschichte. Um Euch den kompletten Lesespaß zu vermiesen, verrate ich noch, dass der Junge es schafft, Arzt zu werden. War ja aber auch irgendwie von Anfang an klar. Sonst wäre sogar der Titel des Buchs verrissen. Gesamturteil: Ich fand es langweilig – vor allem weil ich den Medicus gelesen habe. Es ist mal schön zu erfahren, was so im spanischen Mittelalter abging. Sonst werden bestimmte medizinische oder geschichtliche Fakten nur halbherzig angerissen und nicht weiter erklärt. Das macht es noch lahmer. Außerdem habe ich schon vergessen, wie es ausging. Daran erkenne ich immer, dass das Buch bescheuert war.
Nr. 2: The Messenger von Markus Zusak

So, hier kommt mal ein Bestseller, bei dem man sich wünscht, dass es nie endet. Fettes Teil! Ich habe es in 3 Tagen durchgelesen und mich auf einen zweiten Teil gefreut. Leider gibt es keinen. Storyline: Auch hier geht es wieder um einen Knaben, der bislang nicht gerade viel Sonnenschein des Lebens abbekommen hat. Er ist jung, Taxifahrer irgendwo in Amiland glaub ich, und kann nicht mal knutschen. Er hat drei Freunde, mit denen er regelmäßig irgendein verrücktes Kartenspiel spielt (am Rande erwähnt: Ab jetzt lese ich nur noch in Englisch, deswegen habe ich einige Probleme mit spezifischen Namen und Kartenspielen). Eines Tages stoppt der holde Junge einen Kriminellen bei einem Bankraub und erhält einige Tage später mit der Post eine Ass-Spielkarte mit verschiedenen Namen drauf, denen er einen Besuch abstatten soll. Die Suche, Jagd und das Abenteuer kann beginnen. Uuuuuuuhhhhh Yeaaaaah. Urteil: Die Seiten schmelzen dahin wie Eiscreme in der Wüste. Hier kann man lachen, gespannt von Kapitel zu Kapitel springen und beim Lesen nebenbei locker einige Bierchen verdrücken ohne es zu merken. Wer dieses Buch als Einschlaflektüre wählt, wird wohl morgens auf Arbeit wegen der großen Augenringe angesprochen. Lesen!
Nr. 3: Scar Tissue von Anthony Kiedis

Zu diesem Buch habe ich ein gespaltenes Verhältnis. Ich glaube, es ist meine erste Biografie überhaupt. Okay, es ist schon mal spannend zu erfahren, wie so ein außergewöhnliches Leben eines Musikers abläuft. Und dennoch geht es doch nur ständig um eine Person. Ganz schön narzisstisch, so eine Biografie. Storyline: Andy ist Punk. Andy ist Rebell. Andy ist Junkie. Und Andy wird Leadsänger einer der einflussreichsten Bands unserer Generation – der Red Hot Chilli Peppers. Bis es soweit ist, vergehen viele jungendliche Sündenjahre, werden einige Mädels verschlungen und vor allem verdammt viel gekokst. Mit dem Erfolg nehmen die rebellischen Aktionen ab, die Anzahl der Mädels nimmt zu und das Koks fließt in Strömen. Wenn ich es mir genau überlege, geht es in diesem Buch fast ausschließlich um Drogen. Und Mädels. Und um ein paar Sünden. Wiederhole ich mich schon? Urteil: Nach dem Buch fand ich mich langweilig, und zwar aus 3 Gründen: Weil ich zu brav in meiner Jugend war, viel zu wenig Mädchen hatte und noch nie chemische Drogen genommen habe. Wer sich zu Koks hingezogen fühlt oder gerade auf Entzug ist – Finger weg! Sonst kann man in diesem Buch sehen, wie man als abgefuckter Punk trotzdem Millionär werden kann. Übrigens Mädels: Andy hat wieder ne Freundin.
Nr. 4: The Book Thief von Markus Zusak

Das Buch nach The Messenger. Vielleicht wie beim Medicus – ähnliche Storyline in anderer Location und mit neuen Figuren? Fehlanzeige. Komplett anders. Die Erwartungen waren aber auch verdammt hoch. Die kognitive Dissonanz dementsprechend ausgeprägt. Die Enttäuschung vorprogrammiert. Hey, ich bin kein Miesepeter, der alles niedermacht, was nicht in seinen Rahmen passt. Aber dieses Buch hat sich selbst auch fett angepriesen, mit „World Bestseller“ usw. Und dann spielt es im Zweiten Weltkrieg. Verdammt schwierig. Vor allem als australischer Autor. Storyline: Diesmal ein kleines Mädchen (wieso sind eigentlich so viele Protagonisten Kinder oder Jugendliche?), dass in die falsche Klasse zu Zeiten des Fanatismus geboren wurde. Vater tot, Mutter Kommunistin, Bruder tot. Sie wird adoptiert. Von einem Paar im sozialen Prekariat, wie man heutzutage so schön sagt. Sie hat ein Problem: mit 9 Jahren kann sie immer noch nicht schreiben. Das kotzt sie ganz schön an. Sie fängt an, Bücher zu klauen und mit ihrem Adoptivvater gemeinsam darin zu lesen. Die Nazis drehen durch und wir wissen längst, wie die Geschichte ausgeht. Besonderheit des Buches: Es gibt einen Erzähler – der Tod höchst persönlich. Auch nicht schlecht. Urteil: Anderes Buch, anderer Style. Macht Spass zu lesen und sollte man wohl auch mal gelesen haben. Aber ich persönlich kann nur noch schwer Romane in Zeiten des Naziregimes vertragen.
Nr. 5 PREVIEW : The Pillars of the Earth von Ken Follett

Es ist soweit. Ich fühle mich mental so gestärkt, dass ich ein Buch in Größe und Schwere eines Backsteins anfasse. Und dann noch Ken Follett. Mal ehrlich, dieser Kerl hat mich bislang stets abgeschreckt. Weichspüler-Lektüre habe ich immer gedacht. Manchmal könnte ich in Vorurteilen baden. Und dabei voll mit 100 Sachen gegen die Wand knallen. Angeblich hat es dieses Buch nur durch Mund zu Mund Propaganda in die Hitliste geschafft. Das törnt mich an. Ich ziehe es durch. Das Review gibt’s dann in den nächsten Wochen.
Tags: Australien, Leben, Lesen, Reisen, Weltreise
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